Veterinärmedizin und Lebensmittel

Veterinärmedizin und Lebensmittel

Veterinärmedizinern kommt Schlüsselrolle für gesunde Tiere und sichere Lebensmittel zu

Hansestadt Rostock, Tierärzteforum 2015
„Wir haben in Deutschland eines der schärfsten Tierschutzgesetze der Welt. Dieses auch konsequent anzuwenden, steht in der Verantwortung der Veterinärmediziner. Die Kunst und das Wissen des Mediziners beschränken sich nicht dabei allein darauf, Arzneimittel zu verordnen und zu verabreichen, sondern auch das ganzheitliche Umfeld im Blick zu haben. Daher brauchen wir einen Berufsstand, der sich genauso offen gegenüber neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zeigt wie auch gegenüber den gesellschaftlichen Erwartungen“, erklärte Dr. Till Backhaus, Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz.
Außerdem steht der Tierarzt heute in der Pflicht, gemeinsam mit dem Tierhalter die gesetzlich geforderte Minimierung des Antibiotikaeinsatzes umzusetzen und die Forderungen des Tierschutzes zu beachten, nach denen jedes Tier ein Recht auf eine ausreichende Behandlung hat. Gleichzeitig steht das Dispensierrecht der Tierärzte, also das Recht, apotheken- und verschreibungspflichtige Arzneimittel herstellen, mischen, lagern und verkaufen zu dürfen, in der Diskussion. „Ich kann Ihnen sagen, dass ich bisher die Beibehaltung der jetzigen Regelung immer vorbehaltlos unterstützt habe und das auch zukünftig tun werde. Schon vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus anderen Ländern, wie z. B. Dänemark, wo die Abschaffung des Dispensierrechts langfristig nicht zu einer nachhaltigen Verringerung des Einsatzes von Antibiotika geführt hat“, so der Minister.
Tierärztlicher Rat und Beratung sind aber auch im Bereich der Tierseuchenbekämpfung gefragt. „Wie wir alle wissen, ist die afrikanische Schweinpest weiter auf dem Vormarsch, und auch die Vogelgrippe hält uns weiterhin in Atem. Wir können nur zusammen, also Behörden, Tierärzteschaft, Tierhalter und Jäger, diese Gefahren in den Griff bekommen. Daher danke ich Ihnen für Ihre bisher geleisteten Maßnahmen“, hob Dr. Backhaus hervor.
Ein allgemeines Problem des Berufsstandes ist die Überalterung. Mit 24,6 % ist ein großer Teil der noch praktizierenden Kollegen über 65 Jahre und wird somit bald in den Ruhestand wechseln. „Hier muss es uns gemeinsam gelingen, diesen Wegfall zu kompensieren und junge Kolleginnen und Kollegen für die Arbeit in der Praxis in unserem wunderschönen Land zu begeistern. Denn genügend Nachwuchs wird ja jedes Jahr an den tierärztlichen Hochschulen ausgebildet, aber die Nachwuchssituation in der Nutztierpraxis bleibt in Mecklenburg-Vorpommern nach wie vor ein Problem. Ich empfehle, durch das Angebot von bezahlten Praktikumsplätzen und persönlicher Ansprache an den Universitäten Studierende für die Nutztierpraxis zu gewinnen“, schlug der Minister vor.
In Mecklenburg-Vorpommern werden auch in Zukunft junge Veterinärreferendarinnen und Veterinärreferendare ausgebildet, um diese dann mit dem notwendigen Rüstzeug versehen in die amtstierärztliche Praxis zu entlassen. „Die Tatsache, dass der größte Teil der bei uns ausgebildeten Referendarinnen und Referendare auch tatsächlich einen Arbeitsplatz im Land bekam, spricht für die sehr gute Qualität der Ausbildung. Ich kann nicht verstehen, dass in einigen Ländern, wie Brandenburg oder Schleswig-Holstein, die Referendarausbildung abgeschafft wurde. Das ist keine nachhaltige Politik“, sagte Dr. Backhaus
Hintergrund:
In Deutschland sind ca. 34.500 Tierärzte erfasst und davon gut 24.100 tierärztlich tätig. In MV sind 1297 und davon 404 in 266 Tierarztpraxen tätig. Diese Praxen untergliedern sich in 183 Gemischtpraxen, 31 Großtierpraxen und 52 Kleintierpraxen.
Nr.374/15  | 14.11.2015  | LU  | Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, Mecklenburg-Vorpommern
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