Calciumversorgung Welpen

Calciumversorgung Welpen

 

Calcium-Versorgung von Welpen und Junghunden-
leider immer noch ein Thema

Es hat sich herumgesprochen: Junge Hunde brauchen Calcium. Leider weiß kaum ein Hundezüchter oder -halter, wieviel Calcium sie brauchen und welche Mengen in welchen Futtermitteln zu erwarten sind. Die Folge ist, daß Hundebesitzer oft mit tatsächlichen oder vermeintlichen Calciumquellen herumexperimentieren, wobei nur äußerst selten eine bedarfsgerechte Versorgung erreicht wird. Besonders häufig kommt es zu Fehlversorgungen, wenn es die Hundebesitzer besonders gut machen wollen. Um so mehr wird nämlich varriert und kombiniert und um so geringer wird die Wahrscheinlichkeit, einen Treffer“ zu erzielen. Sowohl der Calciummangel als auch eine erhebliche Überversorgung können bei wachsenden Hunden Skeletterkrankungen hervorrufen oder bestehende Dispositionen verschlechtern. Gerade großwüchsige Hunderassen sind sehr empfindlich gegen Fehler bei der Calciumversorgung, während kleinere so etwas eher verzeihen. Und gerade Besitzer großer Hunde wissen i. d. R. daß sie auf die Calclumversorgung verstärkt achten müssen, geben sich besondere Mühe und machen schlußendlich häufiger Fehler als Besitzer kleinerer Hunde. Um Züchtern und Haltern die Möglichkeit zu geben, ihre Fütterung zu überprüfen, sollen im folgenden typische Rationen, die zu fehlerhaften Calciumversorgung führen, beschrieben werden.

1. Calciumüberversorgung:
Calciumüberversorgung entsteht häufig. wenn zu einem Fertigfutter (Alleinfutter, Vollnahrung) zusätzlich calciumreiche Mineralfutter gegeben werden. Alleinfutter (Ausnahme: Futter für die Erhaltung. Diese Produkte sind nur für erwachsene Hunde gedacht und auch so deklariert) oder Welpenfutter enthalten ausreichend Calcium. Sofern das Futter ausschließlich gefüttert wird und nicht noch größere Mengen an Extras wie Fleisch oder Tischabfälle usw. zur Deckung des Energiebedarfs herangezogen werden, sollte auf keinen Fall Futterkalk und auch kein zusätzliches Mineralfutter verabreicht werden. Dies gilt ebenfalls für alle Mittelchen, die, obwohl dies futtermittelrechtlich ausdrücklich verboten ist, versprechen, daß sie die HD lindern, sofern diese Produkte Calcium in größeren Mengen enthalten. Mineralfutter mit wenig Calcium (< 5 %) kann man natürlich auch zum Fertigfutter zugeben, ohne Schaden anzurichten, letztlich ist es aber nur eine unnötige Ausgabe. Zur Verdeutlichung einige Rechenbeispiele. Ein Welpe im Alter von 3 Monaten mit einem augenblicklichen Gewicht von 17 kg und einem zu erwartenden Endgewicht von 60 kg benötigt 8,8 g Calcium pro Tag. Um den Bedarf an Energie zu decken, muß der Welpe 750 bis 800 g eines handelsüblichen kommerziellen Trockenfutters für Welpen aufnehmen. Solche Produkte enthalten i. d. R. zwischen 1,2 und 1,6 g Calcium pro 100 g. Die Calciumaufnahme beträgt demnach mindestens 9 und höchstens 12,8 g, der Bedarf ist gedeckt. Wenn jetzt zwei Eßlöffel Futterkalk zugelegt werden, so werden dadurch zusätzlich 16 g Calcium verabreicht und die Gesamtaufnahme wird mehr als verdoppelt. Da Futterkalk nur Calcium, aber keinen Phosphor enthält, wird ein zuvor ausgeglichenes Calcium-Phosphor-Verhältnis erheblich verschoben. Der Zusatz calciumreicher Mineralfutter, z. B. zwei Eßlöffel eines Produktes mit 20 % Calcium und 8 % Phosphor führt ebenfalls zu erheblicher Calciumüberversorgung, die Aufnahme beträgt dann immerhin fast 20 g Calcium, Phosphor werden um die 13 g aufgenommen. Bei jungen Hunden großwüchsiger Rassen wurde nachgewiesen, daß eine derartige Überversorgung mit Calcium zu verschiedenen Störungen des Skelettwachstums führen kann. Während des intensivsten Wachstums werden Überschüsse nicht – wie beim erwachsenen Hund – einfach wieder ausgeschieden, sondern sie führen zu Regulationsstörungen des Gleichgewichts zwischen Aufbau und Abbau des wachsenden Knochens.

2. Calciummangel
Bei hausgemachten Rationen ist Calciummangel nicht selten. Alle Futtermittel, die keine Knochen enthalten, sind calciumarm bzw. nicht ausreichend calciumreich, um den Bedarf eines wachsenden Welpen einer Riesenrasse zu decken. Dies gilt auch für Milchprodukte. Aus der Humanernährung übertragene Vorstellungen, daß ein Schluck Milch oder eine Tablette mit ein paar Milligramm Calcium zur Calciumversorgung wesentlich beiträgt, führen hier zu erheblichen Fütterungsfehlern. Schließlich braucht ein menschlicher Säugling i. a. über 10 Jahre, bis er ein Gewicht von 60 kg erreicht. Eine Dogge schafft das manchmal in weniger als einem Jahr. Kein Wunder, daß die Kalktabletten nicht austauschbar sind. Auch hier zur Verdeutlichung einige Rechenbeispiele: Der oben genannte Welpe (3 Monate, aktuelles Gewicht 17 kg, erwartetes Gewicht des erwachsenen Hundes 60 kg) wird mit Fleisch und Getreideflocken gefüttert. Er benötigt zur Deckung des Energiebedarfs etwa 600 g durchwachsenes Rindfleisch und 300 g Haferflocken. Das Rindfleich enthält pro 100 g ca. 10 mg Calcium, darüber werden also insgesamt 60 mg zugeführt, aus den Flocken kommen 240 mg. Mit dieser Ration werden dem Welpen also nur 300 mg Calcium angeboten, er benötigt aber etwa 8,8 g (= 8.800 mg)! Fleisch und Getreide haben zwar einen Phosphorüberhang, die Phosphoraufnahme mit dieser Ration beträgt immerhin etwa 2 g. Deshalb wird das Calcium-Phosphor-Verhältnis mit etwa 0,1 :1 sehr unausgeglichen. Trotzdem wird der Phosphorbedarf von etwa 4 g aber nur zur Hälfte gedeckt. Natürlich muß eine solche Ration ergänzt werden, es reicht aber nicht einfach irgendein Mineralfutter zu geben, sondern das verwendete Produkt muß genau das ergänzen, was in dieser Ration fehlt! Würde man z. B. einen Eßlöffel Futterkalk zugeben, würde zwar der Calciumbedarf in etwa abgedeckt, Phosphor würde aber weiterhin fehlen, und das Calcium/Phosphorverhältnis läge bei 4: 1. Verabreicht man statt dessen 10 Kalktabletten mit je 50 mg Calcium und Phosphor, so ändert sich an der Versorgung nichts wesentliches (Aufnahme 0,8 g Calcium, 2,6 g Phosphor). Gibt man 40 g (2 Eßlöffel) eines Mineralfutters mit 12 % Calcium und 4 % Phosphor, so bessert sich die Versorgung mit Calcium erheblich (Aufnahme ca. 5 g Calcium, Bedarf 8,8 g). Der Calciumbedarf wird jedoch immer noch nicht gedeckt, während jetzt ausreichend Phosphor zugeführt wird. Eine bedarfsgerechte Versorgung mit beiden Elementen bei ausgeglichenem Calcium-Phosphor-Verhältnis wird dagegen erreicht, wenn ein Produkt mit 22 % Calcium und 8 % Phosphor in einer Menge von 40 g zur Ergänzung der Ration verwendet wird. Dies darf keinesfalls so verstanden werden, daß man sich jetzt sagt: „Aha, ein gutes Mineralfutter muß also 22 % Calcium und 8 % Phosphor enthalten.“ Zu einer anderen Ration, die z. B. calciumreiches Welpenfertigfutter enthält, wäre gerade so ein Mineralfutter ausgesprochen ungünstig. Also nochmals: Das Mineralfutter muß zur Ration passen. Es gibt kein“bestes“ Mineralfutter für alle Rationen, genauso wenig wie es einen optimalen Hosenschnitt für alle Menschen geben kann, es gibt immer nur zur jeweiligen Ration passende oder unpassende Mineralfutter. Um zu überprüfen, ob das Mineralfutter zur Ration paßt, muß wenigstens überschlägig nachgerechnet werden. Werbeaussagen für Mineralfutter wie „Calcium besonders gut bioverfügbar“ müssen mit großer Vorsicht betrachtet werden. Zum einen nutzt es gar nichts, wenn das Calcium besonders gut verfügbar ist, wenn zuwenig davon im Produkt drin ist, zum anderen sind die meisten Calciumverbindungen wie z. B. Futterkalk, Calciumphosphat oder auch Knochemehl bei jungen Hunden recht gut verfügbar. Wenn also nicht gerade Gips verfüttert wird, dürfte ein Calciummangel i. d. R. nicht auf einer unzureichenden Verfügbarkeit beruhen, sondern darauf, daß – wie oben am Beispiel gezeigt – die Ration einfach nicht genug Calcium enthält. Eine andere Variante der Calciumunterversorgung ist die Ergänzung von Fertigfuttern mit calciumarmen Zulagen, nach dem Motto „ein Hund braucht ja auch noch frisches Fleisch“ und/oder „der Züchter hat gesagt, daß er jeden Tag ein Paket Magerquark haben soll“ oder „Distelöl für den Fellglanz“ usw. Solange es sich dabei nur um eine Ergänzung mit geringem Energiegehalt handelt, spielt das keine Rolle. Aber viele kleine und größere Extras summieren sich! Der Welpe erhält dann einen erheblichen Teil seines Energiebedarfs aus calciumarmen Extras. Er frißt entsprechend weniger Fertigfutter. Gerade wenn der Calciumgehalt der Fertigfutter sehr genau auf den Bedarf abgestimmt ist, kommt es beim Verschneiden mit calciumarmen Ergänzungen schnell zur Unterversorgung mit Calcium, eben weil es genau stimmen würde, wenn der Hund nur Fertigfutter fressen würde. Als Beispiel: Unser 3 Monate alter Welpe erhält zu Trockenfutter als Zusätze und Ergänzungen 100 g Rindfleisch, 200 g grünen Pansen, ein Häppchen Leber, ein Paket Magerquark und einen Eßlöffel Distelöl. Zur Deckung seines Energiebedarfs braucht er dann noch ca. 500 g Trockenfutter, (während er bei ausschließlicher Verwendung von Trockenfutter 750 bis 800 g fressen müßte). Aus den diversen Ergänzungen kommen ca. 400 mg Calcium, in 500 g Trockenfutter sind ca. 6 g Calcium enthalten, zum Bedarf von 8,8 g fehlen täglich über 2 g Calcium.
Welche Möglichkeiten gibt es nun für den Hundehalter, solchen Fehlern vorzubeugen? Zunächst sollte man sich genau überlegen, was der Hund alles erhält. Achtung, es zählt alles, was der Hund frißt, auch Kräuterpulver und ähnliches. Am besten man schreibt einige Tage lang alles auf, was man dem Hund gibt, und vergleicht mit den oben beschriebenen Beispielen. Wenn sich hier gewisse Ähnlichkeiten abzeichnen, so kann man die Größenordnung der Calcium- und Phosphoraufnahme selbst nachrechnen, oder eine Rationsberechnung durchführen lassen. Es gibt bereits TierärztInnen, die sich entsprechend fortgebildet und spezialisiert haben, und selbstverständlich bieten auch einige veterinärmedizinische Bildungsstätten diesen Service an. Die andere Möglichkeit ist, ausschließlich Fertignahrung zu verfüttern. Man kann entweder ein Alleinfutter, sogenannte Vollnahrung, oder ein Welpenfutter verwenden. Ungeeignet sind dagegen Produkte für den Erhaltungsstoffwechsel, die nur für erwachsene Hunde ausgewiesen sind, diese enthalten nicht genügend Calcium und Phosphor für das Wachstum. Auch wenn es nichts mit dem Calcium zu tun hat, soll an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen werden, daß zu schnelles Wachstum infolge Überfütterung mit Energie das Skelett ebenfalls schädigen kann und zwar auch ohne daß Fehler in der Mineralstoffversorgung hinzukommen! Proteinüberversorgung spielt dagegen nach heutigem Stand des Wissens nur eine untergeordnete Rolle.

Prof. Dr. E. Kienzle, München

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